Die Villa am Nil – Zukunft und Vergangenheit auf einem Bild

Erkennt ihr das Haus? So hab ich es das erste Mal gesehen. Es war noch im Rohbau und ich kam damals das erste Mal in mein Dorf, um meine Familie kennen zu lernen.

Damals war ich noch ein bisschen unsicher was dieses Haus bedeuten sollte, denn ich war der Meinung, dass mein Mann mit mir in Hurghada leben wird und sah das Haus als eine Art „Feind“ an. Würde er es bauen und mit seiner ägyptischen Frau dort leben? Weshalb baute er das überhaupt, wenn wir doch eh nie in dieses Dorf ziehen? Das wusste er damals auch nicht so genau aber er stand unter dem Druck seiner Familie endlich anzufangen, denn er war ja bereits sieben Jahre in Hurghada und da sollte er einiges gespart haben. Der Vater half natürlich auch finanziell mit. Mahmoud hatte damals vor mir mit seiner Familie telefoniert und diese haben ihm immer gesagt, dass es bald soweit sein würde das Haus bauen zu lassen. Er sagte immer, dass er noch Zeit hätte und es noch kein guter Zeitpunkt wäre. Seine Familie wusste damals noch nichts von mir. Ich bekam diese Telefonate immer mit und wurde innerlich traurig und es staute sich ein Hass gegenüber seiner Familie und auch gegen meinen Mann damals an, da er zu feige war ihnen von der DEUTSCHEN zu berichten. Das war eine schwere Zeit für mich damals. Nun eines Tages kam der Anruf, dass sie angefangen hatten und das Fundament bereits stand. Mahmoud war völlig überrascht aber sagte darauf nichts. Nun kam nach ein paar Monaten endlich der Zeitpunkt, dass wir zu Besuch eingeladen waren, damit die Familie mich kennen lernte. Wie das genau ablief und was davor und danach alles passierte werde ich haarklein in meinem Buch, welches bald als Taschenbuch erscheinen wird beschreiben.

Jedenfalls war das Haus damals für mich ein Dorn im Auge und erst nach der Abreise von seinem Dorf konnte ich mir wirklich ein Leben auf dem Dorf vorstellen und wir planten gemeinsam unsere Zukunft in diesem Dorf. Wie ihr seht sind die Türen und Fenster noch nicht einmal eingebaut. Es sollte aber nicht mehr lange dauern bis es fertig gestellt war.

Die Terrasse hatte der damalige Ingenieur viel zu klein eingeplant und Mahmoud hat diese dann selbst vergrössert, da er sich eine grosse Terrasse schon immer gewünscht hatte. Das war eine sehr gute Idee, denn hier spielen nun unsere Kinder mit ihren Freunden und wir haben viel mehr Platz. Auf diesem Grundstück standen um die vierzig Palmen, die leider alle gefällt werden mussten. Wie schade aber sonst hätte das Haus viel kleiner ausfallen müssen. Der Schwiegervater hatte damals das grösste Grundstück hier in der Umgebung und viele Felder. Er war wohlhabend und wollte jedoch seinen Sohn nebenan wohnen haben und nicht weit weg auf einem seiner Felder. Wenn ich mir dieses Haus im Rohbau anschaue, dann kommen meine Eifersuchtsgefühle von damals wieder hoch und ich sehe meinen Mann mit einer Ägypterin vor mir. Ist schon lustig, wenn man dann ein paar Monate später die Frau ist, die dort wohnt. Hätte mir einer damals eine Glaskugel mit meiner Zukunft gezeigt vor zehn Jahren, dann ich hätte ihm den Vogel gezeigt und ihn ausgelacht.

Das Leben schreibt manchmal die unmöglichtsten Geschichten, die man selbst niemals für möglich gehalten hätte. In diesem Sinne: SAG NIEMALS NIE! Es kommt immer anders, als man dachte und in Ägypten sowieso 😉  


Kommentieren